Dienstag, 3. November 2009






Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Sehr rapide fallen hier die schönen bunten Blätter von den Bäumen. Wo letzte Woche noch ein traumhaftes Farbenspiel an den Bäumen zu sehen war, lößt es sich nun langsam aber sicher auf. Ich habe den Harbst hier sehr genossen. Diese saftigen Farben der Duft der Bäume und das alles obwohl ich in Toronto bin. Ich hatte es mir nicht so schön vorgestellt. Es war sogar an manchen Tagen so warm dass man noch gut im T-Shirt rauskonnte. Leider ist es schon zu kalt um im Lake Ontario zu baden. Aber ganz hab ich den Traum noch nicht aufgegeben, eines Tages doch noch rein zu springen, wenn auch nur ganz kurz. grins.
So wie die Blätter fallen und wir alle auch immer wieder fallen wie es das Gedicht von Rainer Maria Rilke sagt, so gab es natürlich auch bei mir Situationen in denen ich innerlich gefallen bin. Ein Beispiel ist dass ich letzte Woche richtig frustiert war über mein Englisch. Ich merke einfach dass ich nun an ne Grenze kam. Um mich im alltäglichen Kontext auszudrücken geht es, aber wenn es ins Detail geht dann hab ich schnell die Grenze erreicht. Und das ist eben frustrierend. Zumal ich im Matthewhouse (Das Flüchtlingswohnheim in dem ich arbeite) doch recht viel Verantwortung hab und alles auf Englisch läuft. Und dann die Zurückstufung vom Advanced Level in das Lower Level im Sprachunterricht obwohl ich mich eigentlich recht wohl gefühlt hab da und schon dachte dass ich Fortschritte gemacht hab.
Naja war jetzt nicht wirklich ermutigend.
Es ist doch noch ein großer Berg vor mir, wenn ich daran denke im Frühjahr den Akademischen Abschluss in Englisch vorzuweisen. Aber auch da muss ich mich einfach in Gottes Hand fallen lassen. Da muss ich wieder an eines meiner Lieblingslieder denken.
"Ich bin bei dir wenn die Sorge dich niederdrückt. Ich hab alles in der Hand, kenn dein Leben ganz genau ich weiß um alles was du brauchst Tag für Tag. Hab keine Angst ich liebe dich...!
Wer es sich anhören will : Hier der Link!
http://www.youtube.com/watch?v=zdfNEgVoEVE

Wen Gott beruft den befähigt er auch. Daran klammer ich mich und bin gespannt wie ich hier Schritt für Schritt weiterwachsen darf auch wenn ich selbst grad kein Wachstum (im Englisch) seh.
Aber meine Chiefs haben gemeint ich soll mir keinen Stress machen wegen dem Englisch und wenn ich nicht soweit sein sollte im Frühjahr, so hängt man einfach noch ne Zeit an. Dass hieße also konkret noch länger in Kanada zu sein. Ich weiß nicht was besser ist. Die Prüfung zu bestehen und glücklich nach Hause zu fliegen oder die Prüfung nicht zu bestehen und länger in Toronto bleiben. So ein Frühjahr in Toronto ist bestimmt auch schön ;) Hat beides Vor- und Nachteile.
Gott wird es schon richtig lenken.
So kann ich mich nun wirklich fallen lassen.
Auch wenn die Bäume um mich herum vom "Fallen lassen" kahl sind und ihre Farbenpracht verloren haben, so weiß ich dass sie dass nur tun um Energie zu sparen um durch den Winter zu kommen und im Früjahr wieder in voller Pracht dastehen.
Alles hat seine Zeit
und jegliches Vornehmen
unter dem Himmel seine Stunde.

Geborenwerden hat seine Zeit,
und Sterben hat seine Zeit;
Pflanzen hat seine Zeit,
und Gepflanztes ausreißen hat seine Zeit.
Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit;
Zerstören hat seine Zeit, und Bauen hat seine Zeit.
Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit;
Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit.
Steine schleudern hat seine Zeit,
und Steine sammeln hat seine Zeit;
Umarmen hat seine Zeit,
und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit.
Suchen hat seine Zeit,
und Verlieren hat seine Zeit;
Aufbewahren hat seine Zeit,
und Wegwerfen hat seine Zeit.
Zerreißen hat seine Zeit,
und Flicken hat seine Zeit;
Schweigen hat seine Zeit,
und Reden hat seine Zeit.
Lieben hat seine Zeit,
und Hassen hat seine Zeit;
Krieg hat seine Zeit,
und Friede hat seine Zeit.

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